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Der "Fall Elli" klingt wie ein ein X-beliebiger 3-Groschen-Krimi, es ist aber mittlerer weile ein ausgewachsener Rechtsstreit und eine durchaus polarisierende Thematik in dem sonst so aufregendem Dorfleben.

Elli ist ein Hund. 24 Monate alt, Collie-Mischling, mittlererweile etwa 22 Kg schwer. Wir bekamen die Elli mit ca. 6 Wochen, angeblich weil die Mutter nicht genug Milch hatte und die Welpen schnell weg sollten. Wie auch immer, Elli hat sich zu einem vollkommen lieben und agressionslosen Hund entwickelt, sie kann zuverlässig die wichtigen Kommandos und ist ein toller Familienhund geworden. Sie wuchs auf mit unseren Kindern (1,5 und 3 Jahre) und liess sich von den beiden alles gefallen. Elli war und ist ein häufig gesehener Gast in unserem Kindergarten (Kinder 2-6 Jahre). Sie war auch mehrfach mit dem Kindergarten bei den Ausflügen und dabei bestätigte sich nur das was wir schon sowieso wussten - Elli ist ein Hütehund - sie war die ganze Zeit damit beschäftigt "Rudel zusammenzuhalten" und entfernte sich nie mehr als 10-15 m von der Gruppe.Dafür gibt es selbstverständlich etwa 30 Zeugen. Jagdinteresse glech Null.

 

Jedenfalls, vor etwa 2 Monate, es war ein Sonntag am späten Nachmittag, hörten wir in unmittelbarer Nähe einen Schuss. Es ist ja wohl nichts Neues dachten wir -  wir sind nun mal von 3 Seiten umsingelt mit "Jagdhochsitzen", keine 100m vom Haus entfernt und es wird schon öfters in der Nähe geballert, nur so nah noch nie. Elli lag kurze Zeit später wieder im Garten in der Wiese und wir haben uns nichts weiter dabei gedacht. Erst eine gute Stunde später stellten wir fest dass der Hund nicht aufstehen kann... und die ganze linke Seite voller Blut ist. Erster Gedanke, der Hund ist irgendwie am Stacheldraht hängen geblieben oder sich sonst wie verletzt. Also, vorsichtig abgetastet, anschließend gewaschen, desinfiziert. Elli konnte nicht aufstehen, die ganze linke Seite war wie gelähmt. Am Sonntag spät Abends ist es schwierig auch eine Tierarztpraxis offen zu finden, also dachten wir, wenn es nicht besser wird, fahren wir gleich am nächsten morgen in die Tierklinik.

 

Ab jetzt wird es dann Filmreif. Der gleiche Sonntag, 23:15, meine Frau und ich sitzen auf der Couch vom TV, Kinder schlafen, und wir überlegen gerade ob wir ins Bett gehen sollen weil am nächsten morgen wieder früh aufstehen angesagt ist...auf einmal, leuchtet eine große Taschenlampe ins Fenster rein (wir wohnen im Erdgeschoss, Licht im Zimmer war an, draußen durch die Bewegungsmelder auch, Dramatik steigt)...beim 2. Blick, nach dem ersten Schreck, stellen wir fest dass 2 "Freunde und Helfer" vor dem Haus stehen und dringend ermitteln wollen. Erst wurden die "Personalien festgestellt". Die Beamten teilten uns mit dass die Elli von einem lokalen Jäger angeschossen wurde, außerdem daß ein 2. Jäger der uns sehr wohl bekannt ist ganz zufällig genau in dem Moment an der Stelle vorbeigefahren und den angeschossenen Hund gesehen (haben will) hat wie er in unseren Garten wieder reingelaufen ist. Die 2 Herren haben jedenfalls noch eine Anzeige gegen uns gestellt weil der Hund ohne Aufsicht gewildert haben soll und der Ballermann "schießen musste um eine Reh-Mutter mit 2 Kitzen im alle letzten Moment zu retten". Mit Schrot wohlgemerkt. Auf kurze Distanz. Und dafür gibt es exakt einen Zeugen. Den Ballermann selbst.

 

Und nun? Wir sind natürlich aus allen Wolken gefallen... wer denkt schon daran dass man im Jahre 2012 noch beschossen wird? Stunden später fanden wir auch ein wenig Ruhe nach der Recherche-Orgie die halbe Nacht gedauert hat. Gesetzeslage, Pflichten und Rechte, neue und unendliche Welten der Gesetzes Bürokratie gepaart mit einer ordentlichen Portion Willkür, was aus vielen Referenzurteilen ergeht. Naja, am nächsten morgen dann Hund gepackt und ab nach Rosenheim in die Tierklinik. Wie sich herausgestellt hat bekam Elli 9 Schrotkugeln die über die ganze rechte Seite verteilt sind. Operationskosten, jenseits von 1000 Euro... "Sachbeschädigung", wie das in Deutschland genannt wird.

Am nächsten Tag haben wir 75 Meter Zaun gebaut und den Garten ausbruchssicher gemacht weil wir dachten - in all unserer Naivität - dass die Sache damit erledigt wäre. Paar Tage später kam auch eine freundliche Polizeibeamtin von der Hundestaffel aus Rosenheim. Ihr erstes Kommentar war "Was, das ist der Hund??? Uns wurde ein ausgewachsener Schäfferhund gemeldet". Im Laufe des Gesprächs bzw. der "Zeugenvernehmung", stellte Sie fest daß unser Hund "0% Aggressionspotenzial hat und wahrscheinlich eine Beißhemmung". Außerdem daß mit Schrot auf Hunde schießen gegen das Tierschutzgesetz verstößt und unter Tierquälerei fällt. Daß die "Jagdhochsitze", oder wie ich sie gerne nenne "Ballerbonker" so wie sie da stehen (mindestens 2) gegen alle Gesetze die es zur Jagd gibt verstössen weil sie zu nah am Haus sind und außerdem die Schiessöffnungen direkt in unser Wohnzimmer zeigen bzw. auf die viel benutzte Wanderstraße  Aha, dachten wir...vielleicht hat sich seit dem Herman Göring Gesetz zur Zwangsbejagung von 1932 doch etwas geändert.

Also haben wir eine Gegenanzeige erstattet, wegen "Sachbeschädigung". Noch eine weitere wegen den Hochsitzen und um die Überprüfung durch das LRA Rosenheim gebeten, wenn schon die Polizei sagt Zitat: "Das geht so gar nicht".

Das nächste was passierte war ein Schreiben von der Jagdbehörde. Wir sollen eine Strafe zahlen weil wir die Aufsichtspflicht verletzt haben. Interessant - wir dachten immer daß zuerst die polizeiliche- und juristische Klärung erfolgen sollte, Sachverhalt geklärt werden und dann darüber nachdenken wer schuld ist?

Kurz darauf kam der 1. Bürgermeister (inzwischen nicht mehr im Amt) zu uns, unangemeldet am frühen morgen (hat er eigentlich nichts Wichtigeres zu tun) um "sich von der Sachlage ein Bild zu machen". Schön und gut, lobenswert. Auch er fragte "ist das wirklich der Hund, der sollte eigentlich nach dem Bericht viel grösser sein"?? Ansonsten, hat er sich vorerst kompromissbereit gezeigt und in all seiner fachlichen Kompetenz festgestellt dass der Zaun zu niedrig ist. Auf Grund von.... was auch immer. Kompetenz eben. Oder wie Stoiber mal sagte "Kompetenz, Kompetenz".

 

Paar Tage später ging dann meine Frau zum Herrn 1. Bürgermeister (inzwischen nicht mehr im Amt) um in einem Gespräch eine für alle erträglich Lösung zu finden. Da erwähnte er dann die Möglichkeit eines Kompromisses. Nur 2 Tage später kam dann ein schöner gelbe Umschlag, vom Gericht beglaubigt mit all den schönen Stempeln und Unterschriften in dem auf insgesamt 5-6 Seiten beschrieben wurde warum unser Hund jetzt eine Leinenpflicht aufgebrummt bekommt und daß für die gesamte Gemeinde. An diesem Schreiben saß sicherlich jemand mindestens 2 Tage lang, also war das zu dem Zeitpunkt des Gesprächs mit meiner Frau offensichtlich schon längst entschieden. Ach ja, dafür sollten wir dann auch eine Strafe zahlen, für was auch immer. Bürokratischen Aufwand. Keine Ahnung. Vorsichtshalber hat man dann noch rein geschrieben dass man dagegen keinen Einspruchsrecht hat.

Also, immer noch optimistisch gesinnt, machte ich ein Termin beim Herrn 1. Bürgermeister (inzwischen nicht mehr im Amt) um die Sache nochmal zu besprechen und nach Möglichkeit friedlich beizulegen. Wer hat schon Lust auf Anwälte und gerichtliche Auseinandersetzungen  ich kann mit meiner Zeit wirklich besseres anfangen. Also, 3 Tage später bin ich dann zu der vereinbarten Zeit erschienen (das ist übrigens auch die festgelegte Bürgersprechstunde) und musste erstmal halbe Stunde warten. Kenne ich noch aus den Zeiten wo ich noch Unternehmensberater war, damit kann man sich grössere Bedeutung beimessen  Egal, ich immer noch freundlich, nochmal die ganze Sache erklärt, daß wir den Zaun gebaut haben, dass der ganze Vorfall jetzt nicht mehr stattfinden kann weil der Hund gar nicht mehr rauskommt. Und daß es wahnsinnig aufwändig ist mit 2 kleinen Kindern und dem Hund an der Leine spazieren zu gehen bzw. jedesmal in die Nachbargemeinde zu fahren. Hier ein Auszug aus dem Dialog:

Ob wir nicht eine Lösung finden können?

" Da koan man nix mehr machen" .

Und Sie glauben dem Ballermann dass sich das alles so zugetragen hat ohne nachzufragen (und nachdenken)

Der ist ein netter (Mensch schätzungsweise). Und er hat selber einen Hund.

Und die Hochsitze mit den Öffnungen zu meinem Wohnzimmer?

"der schießt da doch nicht raus"

aber er könnte. Das sind gerade mal 100m und die Wiese davor ist voller Steine und Felsen, da könnte es auch Querschläger geben. Den einen von den Beiden habe ich immerhin schon mal in meiner Einfahrt mit der Waffe und einer Fahne schreiend und drohend erlebt?

"Das macht er doch nicht, er ist ein netter Mann".

Und die Gemeinde hat uns doch nie darauf angesprochen, abgemahnt, informiert?

"Das müssen wir auch nicht. Es sind bereits 6 tote Rehe im Wald gefunden worden."

Spätestens da war mir klar dass die Zivilisation hier irgendwie einen Bogen um die besagte Gemeinde machte. Wie gut daß er nicht weiß dass die Elli schon 27 Wombatts, 3 Krokodile und 15 Wildschweine gerissen hat.

Übrigens, zu dem Thema gibt es einen frischen Urteil, sollte der Ballermann D. wieder auf komische Ideen kommen:

"Ein Jagdgewehr dient nur zur Jagd: Wird eine Person mit einem Jagdgewehr bedroht, ist dies nach Ansicht eines Gerichts ein missbräuchlicher Gebrauch der Waffe." Dies meldet Focus online meldet am 22.3.2013. Das Verwaltungsgerichts Arnsberg bestätigte in seinem Urteil den Einzug von Jagderlaubnis und Waffenschein. (Az.: 8 K 1999/12)."

Also, schön, wenn man nichts mehr machen kann (will) bleibt uns ja nichts mehr übrig.

Inzwischen haben die 2 Ballermänner Hausverbot bekommen, schriftlich mit Rückschein und sogar Aktenkundig bei der Polizei. Wie sich herausgestellt hat, sind die 2 Ballermänner bereits mehrfach vor Gericht erschienen. Der eine ist wohl wegen vielen Klagen und Anzeigen im ganzen Ort bestens bekannt. Und manch so eine Anzeige hat bereits durch die wiedersprüchlichen Aussagen  und falscher Beschuldigung ihr jähes Ende gefunden.

Den Fall haben wir jetzt einem fähigen Münchener Anwalt übertragen der bereits eine Klage vor dem Landesverwaltungsgericht in München erhoben hat. Seitens des Landratsamtes zur Überprüfung der Hochsitze gibt es auch keine Neuigkeiten.

Aber wir bleiben dran und werden weiterhin fleißig posten so bald sich was Neues gibt. Jetzt geht es erstmal in die Medien, ich bin der Meinung daß die Welt davon durchaus in Kenntnis gesetzt werden sollte. AMEN.

Letztenendes, was tut ein Jäger, wenn er versehentlich eine Kuh erschossen hat? 

Nun, der steckt der Kuh einen Hasen ins Maul und behauptet, dass sie gewildert habe. Oder, die Herren D. und Sch. ?

Neues Jagdgesetz in NRW

Liebe Tierfreundin,
Lieber Tierfreund,

aus aktuellem Anlass erhalten Sie unseren Tierschutz-Newsletter schon eine Woche früher als erwartet. Es gibt eine gute Nachricht, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.
Die jahrelange politische Arbeit, die Demonstrationen und unsere Resolution "Jagdreform Jetzt!"  hatten letztendlich Erfolg. In dieser Woche wurde im Landtag NRW endlich das neue Jagdgesetz - gegen die Stimmen von CDU und FDP und trotz der lautstarken Jägerproteste -  verabschiedet!
Das neue Jagdgesetz bringt viele Verbesserungen für den Tier- und Naturschutz. So ist zukünftig der Abschuss von Hauskatzen verboten, ebenso wie der Einsatz von Totschlagfallen oder die Baujagd. Das sogenannte ökologische Jagdgesetz ist, auch wenn es uns natürlich nicht weit genug geht, ein wichtiger Schritt hin zur Abschaffung der sinnlosen Hobbyjagd.

Es geht los

In Niederbayern wurden seit 2013 insgesamt 49 Anträge auf jagdrechtliche Befriedung privater Grundstücke bei der unteren Jagdbehörde gestellt. Bisher seien rund 52 Hektar befriedet worden -  0,7 Prozent der bejagbaren Flächen. Dies berichtet die Passauer Neue Presse am 21.2.2015. In 31 Verfahren stehe die Entscheidung noch aus. Nach Informationen der Zeitung laufen in Oberbayern acht Verfahren, davon zwei im Landkreis Berchtesgaden, eines in Traunstein.

Gewonnen !!!

Ist denn das zu fassen... die Ellie hat gewonnen, Leinenzwang ist vom Tisch und die "mühsam ausgearbeitete Schriftstücke des Gemeindeschreiberlings" sind vom Verwaltungsgericht  München niedergeschmettert worden... haltlos, gesetzeswiedrig, sinnlos und hirnlos... Herzlich willkommen in das Jahr 2014 liebe Ballermänner.

Elli ist wieder frei !

Unsere Eilantrag auf die Aussetzung der Leinen-pflicht war erfolgreich. Elli hat die erste Runde vor dem Verwaltungsgericht in München gewonnen - Leinenzwang ist ab sofort ausgesetzt und die Gemeinde muss sich wohl was Neues einfallen lassen und die Klage gänzlich neu begründen, oder eben einfach aufgeben, und die gesamten Kosten zahlen.

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Interview:

“Die Jäger sind für die meisten Probleme selbst verantwortlich”

Vor kurzem habe ich über den Sieg der Zwangsbejagungsgegner vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof berichtet. Dieser Erfolg ist zu einem großen Teil dem Rechtsanwalt Dominik Storr zu verdanken, der sich seit Jahren für die Rechte der Jagdgegner einsetzt.

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